Mit der Veranstaltungsreihe "Münster 1648: Dialoge zum Frieden", die alle zwei Jahre zwischen der Friedenspreis- verleihung stattfindet, bezieht sich die Stadt Münster auf die Verhandlungen vor mehr als 350 Jahren. Dabei würdigt sie nicht nur das historische Ereignis und seine Wirkungsgeschichte. Münster nutzt seine Geschichte, um Verantwortung für die Gegenwart und die Zukunft zu übernehmen, wenn es darum geht, für die heutigen Krisenherde auf der ganzen Welt neue Instrumentarien und Verfahren zur Konfliktvermeidung, Konfliktlösung und Friedenssicherung zu entwickeln oder um einen Konsens durch Verhandlungen zu ringen.
Aktueller gesellschaftlicher und politischer Bezug
Die Reihe "Münster 1648: Dialoge zum Frieden" rund um das Datum des historischen Friedenschlusses am 24. Oktober wird in enger Zusammenarbeit mit dem Exzellenzcluster „Religion und Politik“ an der Westfälischen Wilhelms-Universität (WWU) organisiert. Als bundesweit größter Forschungsverbund dieser Art steht das Cluster für Spitzenforschung in Münster und bietet beste Voraussetzungen, um die Tradition der Friedensdialoge in einen aktuellen gesellschaftlichen und politischen Bezug zu setzen.
Die Friedensbotschaften aus Münster
Im Jahr 2009 galt die Podiumsdiskussion „Konfliktregion Naher Osten“ mit unter anderem Dr. Sumaya Farhat-Naser, Dr. Navid Kermani, Prof. Sari Nusseibeh, Prof. Moshe Zimmermann, Björn Blaschke und Manfred Erdenberger als ein Highlight der Veranstaltungsreihe. Eine im Anschluss erarbeitetete Deklaration beinhaltete folgende Friedensbotschaften:
Prof. Sari Nusseibeh, Präsident der Jerusalemer Al-Quds-Universität: "Wir brauchen den festen Glauben, nicht nur die vage Hoffnung, dass wir die Dinge in die Hand nehmen und verändern können. Wenn Böses geschieht, ist das von Menschenhand gemacht. Das müssen wir uns klar machen. Umgekehrt können wir durch unser Handeln Besseres bewirken. Die wichtigste Bedingung für Frieden sind Gerechtigkeit und Freiheit. In welchem politischen System wir das erreichen, ist zweitrangig."
Dr. Sumaya Farhat-Naser, palästinensische Christin und Friedensaktivistin: "Krieg ist leicht, Frieden ist schwer. Wir werden nur dann Frieden erreichen, wenn wir unsere Gegner im Dialog gewinnen und einander entfeinden. Wir sollten den Feinden im Gespräch Respekt entgegenbringen und ihnen zeigen, dass sie Menschen sind wie wir. Andernfalls werden sie von Tag zu Tag radikaler."
Dr. Navid Kermani, deutsch-iranischer Schriftsteller und Orientalist:
"Das Hauptproblem im Nahen Osten ist nicht der Fundamentalismus, sondern die Unfreiheit der Menschen und der Mangel an Demokratie. Nur Freiheit kann Frieden schaffen, weil die Menschen dadurch ihre Feindbilder verlieren. Das Beispiel Südamerika zeigt, worum es geht: Nachdem dort ein Staat demokratisch wurde, folgten nach und nach die anderen in der Region. Dasselbe wünsche ich mir für den Nahen Osten."
Prof. Moshe Zimmermann, israelischer Historiker der Hebräischen Universität Jerusalem: "Wir sollten in unseren Köpfen eine neue CD einlegen und die bisherigen Zweifel ablegen. Nur so werden wir neue Wege zum Frieden finden. Dazu ist viel Bildungsarbeit nötig. Ein Weg zum Frieden ist sicher, dass wir die Religion aus der Politik verbannen und zu einer privaten Angelegenheit machen. Das können wir vom Westfälischen Frieden lernen."
Björn Blaschke, langjähriger ARD-Korrespondent im Nahen Osten:
"Um Frieden zu erlangen, brauchen wir eine Säkularisierung des Sakralen. Alles, was im Nahen Osten bislang als heilig hingestellt wird, sollte entheiligt werden, wenn es nicht wirklich heilig ist. Denn was wirklich heilig ist, kann nur dann heilig sein, wenn es für alle Seiten Heil bringend und zugänglich ist."
Manfred Erdenberger, Sprecher der 
Deutschen Initiative für den Nahen Osten:"Wir brauchen eine umfassende und gerechte Friedenslösung für die Menschen in der Region. Dafür gibt es keine militärische Lösung, sondern nur den Weg der Toleranz und Verständigung. Gefragt sind gemeinsame Dialoge statt einseitiger Monologe."
[Foto: Münster Marketing Galerie, DINO Münster]





